Mehrwerte der prozess- und aufgabenorientierten Lernobjekte
Über die Kooperation und Kommunikation hinaus bietet der virtuelle Lernort folgende Mehrwerte:
- Branchenvielfalt bei den Geschäftsprozessmodellen
- didaktische Aufbereitung beruflicher Arbeitsaufgaben
- Organisation des Transfers informellen Wissens
- produktübergreifende Darstellung der Integration von Werkzeugen und Aufgaben
- Umgebung zur "ungefährlichen" Einübung von Entscheidungskompetenz.
Die folgenden ausführlicheren Darlegungen beziehen sich direkt auf die geplanten Lernobjekte der
Plattform.
Branchentypische Referenzmodelle für Geschäftsprozesse
Kaufmännische Arbeitsaufgaben sind Querschnittsaufgaben. Industriekaufleute arbeiten in den
verschiedensten Branchen, von der Metall- und Elektroindustrie über die Versorgungswirtschaft
bis hin zur Nahrungsgüterindustrie und den industriellen Dienstleistungen.
Beruflichkeit als Ziel der dualen Ausbildung bedeutet demnach auch, sich über den
Ausbildungsbetrieb hinaus in Geschäftsprozessen anderer Branchen orientieren und berufliche
Arbeitsaufgaben branchenübergreifend übernehmen zu können. Dafür ist es notwendig, in der Praxis
erworbenes Wissen in übergeordnete Zusammenhänge einzuordnen und auf andere Anwendungsfelder zu
transferieren. Traditionell kam die Berufsschule dieser Bildungsaufgabe durch die
fachsystematische Wissensvermittlung nach. Unter den gewandelten Bedingungen der neugeordneten
Berufe verliert Fachsystematik an Relevanz, während Prozess- und Aufgabenorientierung an
Bedeutung gewinnen.
Ausgearbeitete und mit Informationen hinterlegte Referenzmodelle für typische Geschäftsprozesse
verschiedener Branchen können hier als Ansatzpunkte für Wissensvermittlung und -transfer dienen.
Darüber hinaus können die flexibel angelegten Referenzmodelle vor Ort betriebs- und
ausbildungsspezifisch angepasst werden.
Lernmodelle für kaufmännische Arbeitsaufgaben
Die Entwicklung branchenübergreifenden Verständnisses für Arbeitsaufgaben gehört zu den
bedeutenden Zielen beruflicher Ausbildung. Vielfältige didaktische Ansätze bieten hier nach
Kompetenzniveaus gestufte Lernmodelle für Arbeitsaufgaben. Sie unterstützen das Lernen für den
Beruf und in der Arbeit gleich auf mehrfache Weise. So vermitteln sie
- die Visualisierung der typischen Handlungsstruktur dieser Arbeitsaufgabe,
- einen Orientierungsrahmen für die Einbindung in übergeordnete organisatorische,
wirtschaftliche und politische Zusammenhänge,
- Anleitungen und Material für Selbstlernaktivitäten,
- produktunabhängige Darstellungen der Integration von Arbeitsaufgaben und Werkzeugen
kaufmännischer Sacharbeit.
Wegen des hohen Entwicklungsaufwandes ist es nötig, sich auf wenige, dafür aber zentrale und
auch gut transferierbare Arbeitsaufgaben zu konzentrieren. Auch hier sollen dynamische
Programmstrukturen eine betriebs- und ausbildungsspezifische Anpassung erlauben.
Lernfeldbezogene interaktive Seminare und Prüfungstrainer
Die breite Masse der aktuell am Markt verfügbaren kaufmännischen Lernsoftware für Auszubildende
ist fachorientiert und deckt im Wesentlichen die Bereiche Allgemeine Grundlagen der BWL und
Grundlagen der Buchführung ab. Damit ist ein Einsatz im berufsschulischen Unterricht nur
punktuell möglich, vollständige Lernfelder werden nicht unterstützt.
Der Mehrwert lernfeldbezogener interaktiver Seminare und Prüfungstrainer ergibt sich aus
folgenden Einsatzmöglichkeiten:
- Direkteinsatz als Lehr- und Lernmittel für verschiedener Sozialformen im Unterricht: Plenum, Gruppenarbeit, Partnerarbeit, Einzelarbeit
- Illustration und Präsentation eines Unterrichtsthemas durch Software-Elemente
- Selbstlernmedium zur individuellen Aneignung bzw. Vertiefung des Unterrichtsstoffes
- Trainingsmedium für die Prüfungsvorbereitung in Form von Einzel- und Gruppentests
- Ideenpool für prozessorientierte Didaktik und neue Unterrichtsentwürfe.
Besondere Synergieeffekte lassen sich erzielen, wenn sich die Praxisbeispiele in den Seminaren
auf Modellunternehmen beziehen, die ebenfalls Lernobjekte der Plattform sind
Simulationen in Modellunternehmen
Der Einsatz von Modellunternehmen in der kaufmännischen beruflichen Bildung gewinnt seit
einigen Jahren zunehmend an Bedeutung. Handlungsorientierte Problemlösungen, Simulationen von
Entscheidungen, Demonstration von Abläufen, Schulungen an Systemen der Unternehmensplanung und
-steuerung - all das ist ohne Modellunternehmen undenkbar.
Leider kann die Qualität bestehender Modellunternehmen häufig nicht befriedigen. Das betrifft
sowohl die Präsentationsformen, als auch die Datenintegrität, den Datenumfang und die abgedeckte
Bandbreite hinsichtlich Branchen und Unternehmensformen
.
Für den umfassenden Einsatz in der beruflichen Ausbildung muss ein Modellunternehmen in
folgenden Präsentationsformen vorliegen:
- Handbuch mit Unternehmensbeschreibung und Auflistung der Stammdaten,
- multimediale Präsentation zum Unternehmen, zu Produkten, Märkten,
Organisationsstruktur und Geschäftsprozessen,
- Datenkranz für Simulationssoftware für kurz-, mittel- und langfristige Entscheidungen,
- Datenkranz (Modellmandant) für ERP-Software,
- komplexe Lernsituationen und Fallstudien inklusive Arbeitsmaterial.
Die Mehrwerte eines solchen Modellunternehmens als Lernobjekt in der kaufmännischen beruflichen
Ausbildung liegen auf der Hand:
- realitätsadäquater, risikofreier Zugang zu Unternehmensdaten und -Entscheidungen
(Transfer von Modellwissen in Praxiswissen)
- didaktische Auf- und Nachbereitung von Geschäftsprozessen und Arbeitsabläufen
(Einbindung von Praxiswissen in Zusammenhänge, Transfer auf andere Anwendungsfelder)
- Bereitstellung gepflegter Modellmandanten für ERP-Systeme
(Voraussetzung für hochwertige Werkzeugschulungen, realitätsadäquate Präsentation der
Verflechtung von Arbeitsaufgaben und Werkzeugen).
Es ist offensichtlich, dass eine außerbetriebliche berufliche Ausbildung nach hochwertigen
Modellunternehmen verlangt. Die Darstellung der Mehrwerte macht jedoch darüber hinaus deutlich,
dass auch in der dualen Ausbildung solche komplexen Lernobjekte außerordentlich nutzbringend
einsetzbar sind.