Forschungs- und Entwicklungsprojekt
virtueller, verbindender Lernort -
prozess- und aufgabenorientierte Curricula
für die Ausbildung Industriekaufmann/-frau
Lernort Betrieb
Die Voraussetzungen für den Einsatz neuer Medien in der betrieblichen kaufmännischen
Ausbildung sind praktisch in allen ausbildenden Unternehmen gegeben. Trotz der Fülle und
Vielfalt verfügbarer E-Learning-Tools, verbleiben die meisten Produkte in wissensorientierten
Fachansätzen bzw. gehen von praxisfremden verspielten Beispielen aus. Hier seien beispielhaft
das Portal "fachschule online" des Bildungsverlags EINS GmbH und die Kurse "easy business" von
bit media e-Learning solution GmbH & Co KG genannt.
Positive Ansätze sehen wir in der Einrichtung von Informationsplattformen, wie z. B.
"www.azubi.net" sowie Lernplattformen mit Online-Communities, wie z.B. "www.vivo.de",
dem virtuellen Ausbildungsverbund der Region Ostwestfalen-Lippe. Allerdings lassen auch
diese genannten Beispiele aufgrund ihrer spezifischen Zielsetzungen und Enstehungskontexte
ein schlüssiges curriculares Konzept in Bezug auf Prozess- und Aufgabenorientierung im Sinne von
LOPAC vermissen.
Lernort Schule
Die Voraussetzungen für den Einsatz neuer Medien in der schulischen kaufmännischen Ausbildung
sind vielfach gut. Grundsätzlich ist bei der Hardwareausstattung mit stetigen Verbesserungen zu
rechnen. Nicht befriedigen können die IT-Einsatzkonzepte in vielen beruflichen Schulen. Statt
eines integrierten Einsatzes im fächerübergreifenden Unterricht, wird vielfach ein Fachunterricht
Datenverarbeitung angeboten, was auf Werkzeugschulungen bzw. Produktschulungen hinausläuft.
Neben einem höheren Organisations- und Vorbereitungsaufwand werden häufig fehlendes Engagement
bei Fachlehrern bzw. Mangel an Unterstützungsmaterialien als Ursachen für diese Defizite
angeführt.
Elektronische Lehr- und Lernmedien für den Einsatz in der beruflichen Schule beschränken sich
meist auf die mediale Aufbereitung von Fachwissen. Prozess- und aufgabenorientierte
Ansätze sind kaum zu entdecken. So hat z.B. der Winklers-Verlag auf der Basis seines
Erfolgsbuches zur Finanzbuchhaltung von Schmolke und Deitermann eine Lernsoftware
"FiBu on Screen" entwickeln lassen. Diese Perpetuierung einer abstrakten und teilweise
wirtschaftlich irreführenden Didaktik des Rechnungswesens ist abzulehnen. Rechnungswesen muss
als Wirtschaftsinstrument zur Steuerung von Geschäftsprozessen und integriert in kaufmännische
Arbeitsaufgaben vermittelt werden.
Unbefriedigend sind ferner die Möglichkeiten des didaktischen Einsatzes von
Finanzbuchhaltungs- bzw. ERP-Systemen im kaufmännischen Unterricht. Es mangelt an
realitätsgerechten, gut gepflegten Modellmandanten und an didaktischem Material dazu. Zudem
sind die Berufsschulen mit der Systempflege und Administration häufig allein gelassen.
Lernortkooperation
Die praktische Organisation einer Kooperation gestaltet sich mit herkömmlichen Mitteln meist
schwierig. Eine Austauschplattform kann hier wirksame und kostengünstige Kommunikationswege
und -räume bieten. Insofern macht es Sinn, von einem virtuellen Lernort als Brücke zwischen den
beiden realen Lernorten zu sprechen.
Über die Kooperation und Kommunikation hinaus bietet der virtuelle Lernort eine Vielzahl von
Mehrwerten.